Andere Lehrtätigkeiten

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Eine wichtige Ergänzung zu den Lehrtätigkeiten, die in den vorigen vier Kapiteln (Musikschule bis einschließlich Hochschule) besprochen wurden, bilden die zahlreichen weiteren pädagogischen Aktivitäten, die Prof. Stefan Kocsis ausübte. Wie die folgenden Ausführungen zeigen werden, gab es viele unterschiedliche Bereiche, in denen seine mannigfachen Kenntnisse, sein Können und seine Urteilsfähigkeit gefragt waren. Die Bandbreite erstreckte sich dabei von Klausurbeurteilungen, Eignungs- und Aufnahmsprüfungen über die Mitwirkung bei Sommerseminaren im Bereich der SchülerInnen- bzw. LehrerInnenfortbildung bis hin zur Teilnahme an musikwissenschaftlichen Tagungen und Aufbereitungen sowie volksbildnerischen Vorträgen und der Arbeit/Mitarbeit an Unterrichts- bzw. Gesangbüchern. Sogar etliche seiner Kompositionen hängen zumindest indirekt mit der Instrumentalpädagogik zusammen, weil sie von den Anforderungen her so konzipiert wurden, dass sie von MusikschülerInnen interpretiert werden können. Streng genommen muss selbst die Arbeit mit dem Mittelburgenländischen Lehrerchor hier berücksichtigt werden, da ja eine der Zielsetzungen aus dem Gründungsprotokoll dieses Vokalensembles wörtlich so lautete: Im Lehrerchor wirkt eine beträchtliche Anzahl von Lehrpersonen, die in ihren Dörfern Leiter eines Gesangsvereines, eines Kirchenchores bzw. einer Singgruppe sind. Sie sollen im Lehrerchor eine weitere musikalische Bildung und eine bessere Befähigung zum Chorleiter erhalten. Das entsprach letzten Endes einer permanenten außerschulischen Vokalerziehung. Es könnten noch viele ähnliche Tätigkeiten genannt werden wie beispielsweise die Leitung des Unterpullendorfer Kirchenchores, die Mitwirkung in verschiedenen Jurys oder in letzter Zeit die Teilnahme und Mitarbeit bei Schulprojekten (Komponistenwerkstatt, Stefan Kocsis – ein Porträt), die ebenfalls lehrenden Charakter haben. Am Ende dieser Einleitung darf natürlich nicht vergessen werden, dass er seinen eigenen Kindern auch zu Hause ein großartiger Instrumental- und Musiklehrer war, der ihnen aber auch abseits der eigentlichen Lehrtätigkeit durch sein musikalisches Engagement, seine künstlerische Gesinnung, sein diszipliniertes Arbeiten und das stete Bemühen um die Musik enorm viel vermitteln konnte.

     

Um diesen Abschnitt nicht allzu sehr auszudehnen, wird daher eine Beschränkung auf jene Lehrtätigkeiten, die im Zuge dieser Internetsite ansonsten nicht oder kaum behandelt werden, sinnvoll sein. Dass dabei fallweise Überschneidungen mit anderen Kapiteln vorkommen können, liegt auf der Hand. Um jedoch eine ganzheitliche Darstellung des aktuellen Themas zu gewährleisten, wurden wichtige Dokumente trotzdem nochmals berücksichtigt. Inhalte, die unter einem anderen Titel bereits ausführlich behandelt wurden, sind hier nur kurz erwähnt und können durch Klicken auf die weiterführenden Links in diese Abhandlung integriert werden.

     

Ein wichtiger Bereich, in dem Stefan Kocsis seinen pädagogischen Intentionen nachging, waren die verschiedenen Sommerseminare teils für SchülerInnen, teils für LehrerInnen, in denen er als Vortragender, Chorleiter oder Klavierlehrer eingesetzt wurde. Veranstalter war das Volksbildungswerk für das Burgenland. Von einigen dieser Fortbildungen ist noch ein Teil der Korrespondenz erhalten, weshalb die Beispiele aus diesem Bestand ausgewählt wurden. So wirkte Prof. Kocsis beim Methodisch-praktischen Musikseminar 1964 und beim Sommerseminar 1965 jeweils als Referent mit. Die entsprechenden Dankschreiben seitens des Veranstalters sind rechts neben dem Absatz abgebildet.

Dankschreiben zum Methodisch-praktischen Musikseminar 1964“, 14.10.1964

Dankschreiben zum Sommerseminar 1965, 17.9.1965

1966 standen zwei Seminare in den großen Ferien auf dem Programm. Beim ersten, das für begabte MusikschülerInnen in Oberwart abgehalten wurde, leitete Kocsis die Chorübungen und unterrichtete die KlavierschülerInnen der mittleren Leistungsstufe. Das zweite für LehrerInnen fand im Bundeskonvikt in Eisenstadt vom 29.8. bis 2.9.1966 statt. Auch hier war Kocsis für die Fächer Chorsingen und Klavier zuständig.

Brief zum bevorstehenden Sommerseminar für begabte MusikschülerInnen in Oberwart, 19.4.1966

Schreiben zum bevorstehenden Sommerseminar für LehrerInnen in Eisenstadt, 18.7.1966

Dankschreiben vom Volksbildungswerk für das Burgenland zu den beiden Sommerseminaren 1966, 27.9.1966

Noch aus der Planungsphase zum Sommerseminar 1968 stammt das Schreiben des Musikreferenten des Volksbildungswerkes für das Burgenland, in dem er Prof. Stefan Kocsis erneut um seine Mitwirkung ersuchte. Außerdem wurden Kocsis einige Vorschläge für seine Tätigkeit als Leiter des Chorsingens unterbreitet. Diese Fortbildungsveranstaltung wurde für die Lehrpersonen der Volksmusikschulen abgehalten und fand vom 26. bis 31. August 1968 in der burgenländischen Landesmetropole statt. Dabei sollten mindestens zwei offizielle Singen unter Kocsis' Leitung durchgeführt werden. Zusätzlich wurde eine Feier oder Aufführung im Eisenstädter Dom mit (Teilen) einer Haydn-Messe, ausgeführt von den SeminarteilnehmerInnen und einem kleinen Orchester, angeregt. Auch an ein Konzert im Haydn-Museum wurde gedacht.

Schreiben zum geplanten Sommerseminar für MusikschullehrerInnen in Eisenstadt, 23.4.1968

Im Zusammenhang mit den vokalerzieherischen Tätigkeiten müssen auch Kocsis' andere, vom Burgenländischen Sängerbund (Mitglied des Volksbildungswerkes für das Burgenland) organisierte, fortbildende Aktivitäten genannt werden. Diese wurden unter Chorleiterkurse besprochen und können dort nachgelesen werden. In einem etwas weiter ausgelegten Sinn müssen an dieser Stelle auch Kocsis' Funktionen als Jurymitglied bei Singwettbewerben, die ja mit der Bewertung von Chorleistungen zu tun hatten, genannt werden. Dies wurde anhand einiger Beispiele unter Juror (drei Absätze) abgehandelt. Wie eingangs erwähnt, gehören auch die unter Mittelburgenländischer Lehrerchor und Chor Unterpullendorf beschriebenen Tätigkeiten als Chorleiter zu diesem Themengebiet.

Zutiefst pädagogisch war auch die Aufgabe, mit der Prof. Stefan Kocsis im Jahr 1965 von LSI HR Dr. Edmund Zimmermann betraut wurde. Kocsis sollte eine Auswahl kroatischer Pflichtlieder für die 1. bis 8. Schulstufe zusammenstellen, die in weiterer Folge an den zweisprachigen kroatischen Volksschulen im Musikunterricht zu singen waren. Eine detaillierte Auflistung der Liedtitel mit persönlichen, von Kocsis hinzugefügten Notizen ist dem zweiseitigen Schreiben des Amts der Burgenländischen Landesregierung vom 4. November 1965 zu entnehmen.

Schreiben zur Betrauung Prof. Kocsis' mit der Auswahl kroatischer Pflichtlieder für zweisprachige Volksschulen, 24.5.1965

Seite 1 des zweiten Schreibens zu den kroatischen Pflichtliedern mit detaillierter Auflistung der Liedtitel, 4.11.1965

beschriebener Teil der Seite 2 des zweiten Briefs zu den kroatischen Pflichtliedern, 4.11.1965

Weiters sind in diesem Umfeld das „Hrvatska Pjesmarica“ betitelte und von Stefan Kocsis verfasste kroatische Liederbuch für die Schuljugend, heute ein im Unterricht verwendetes Standardwerk, sowie Kocsis' Mitautorenschaft bei der Herausgabe des Liederbuchs Sing '70 anzuführen. Die Einladung nach Wien zu einer Arbeitssitzung zur Weitergestaltung (Instrumentarium, Orgel- und Chorsatz) des letztgenannten Schulbuchs ist im Brief in der ganz rechten Spalte nachzulesen.

Informationsschreiben des ÖBV zur 1. Auflage von Hrvatska Pesmarica“, 16.6.1973

 Hrvatska Pesmarica“: Titelblatt

Einladungsschreiben des Musikverlags STYRIA zu einer Arbeitssitzung in Wien, 27.2.1970

       

Prof. Stefan Kocsis war auch in der Prüfungskommission der Eignungsprüfungen an den Volksmusikschulen des Volksbildungswerkes tätig, wie die drei aus dem Jahr 1968 stammenden, rechts abgebildeten Schreiben zeigen. Im ersten Brief wurde Kocsis vom Kuratorium für die Musiklehranstalten des Volksbildungswerkes für das Burgenland von seiner Bestellung zum Fachprüfer für das Fach Klavier für die Dauer von drei Jahren verständigt. Im zweiten Schreiben, das ca. zwei Monate später Kocsis zugestellt wurde, ist allerdings von einer Funktionsdauer vom 1. Jänner 1968 bis 31. Dezember 1971 die Rede, was in Wahrheit vier Jahren entspricht. Wie auch immer: Dieser zweite Brief war gleichzeitig die Einladung zu den am 25. Mai 1968 stattfindenden Prüfungen im Hause des Volksbildungswerkes in Eisenstadt. Mit dem dritten Schreiben wurde Kocsis aufgefordert, die beiliegenden schriftlichen dreistündigen Klausurarbeiten durchzusehen, zu benoten und zurückzuschicken.

Eine ähnliche Aufgabe übernahm Prof. Stefan Kocsis im Jahr 1977 beim österreichweit durchgeführten Kompositionswettbewerb von Jugend musiziert, wobei etwa 15 Beiträge zu begutachten und zu bewerten waren. Der hier abgebildete Brief stellt die Einladung in die Jury des Wettbewerbs dar und erläutert die Vorgangsweisen und Beurteilungsrichtlinien. Kocsis nahm die Einladung übrigens an.

erstes Schreiben zur Bestellung in eine Prüfungskommission, 12.3.1968

Prüfungskommission: drittes Schreiben (Klausurprüfungen), 20.5.1968

Prüfungskommission: zweites Schreiben, 6.5.1968

Brief zum Kompositionswettbewerb von  Jugend musiziert“, 10.5.1977

       

Von gänzlich anderer Natur waren die beiden nächsten hier besprochenen Lehrtätigkeiten. Sie gaben Prof. Kocsis die Möglichkeit, Orgelunterricht im Rahmen der in Oberschützen stattfindenden Internationalen Kammermusikwoche 1963 und der Internationalen Kammermusiktage 1965 zu erteilen. Hier konnte er als Dozent sein virtuoses Können an ausgezeichnete Musiker weitergeben, was für ihn eine äußerst interessante Aufgabe darstellte. Die ersten zwei hier wiedergegebenen Briefe beziehen sich auf die vom 25. Juli bis 4. August veranstaltete Kammermusikwoche 1963. Im ersten Schreiben lud Prof. Adolf Schäffer Prof. Kocsis ein, neben Prof. Josef Friedrich Doppelbauer als Dozent im Studio für Orgel und Generalbassspiel zu wirken. Im zweiten Brief dankte Prof. Schäffer für die Zusage und bat Prof. Kocsis im Auftrag des Kulturreferats der Burgenländischen Landesregierung um Mitwirkung beim Eröffnungskonzert der Kammermusikwoche. Neben anderen Konzertbeiträgen sollte er mit seinem Kammerchor, also dem Mittelburgenländischen Lehrerchor, die festliche Eröffnung mitgestalten. Die Oberschützener Kammermusiktage 1965 wurden vom 22. Juli bis 1. August abgehalten. Die mit einem stilisierten Violinschlüssel gestaltete erste Seite des Programms findet sich gleich rechts neben diesem Absatz. Der Ausschnitt einer anderen Seite, der Kocsis' Mitwirkung dokumentiert, zeigt, dass er dieses Mal im Studio für Orgel und Orgelimprovisation unterrichtete.

Einladungsschreiben zur Internationalen Kammermusikwoche in Oberschützen, 22.12.1962

Seite 1 des Programms zu den Internationalen Kammermusiktagen 1965 in Oberschützen

weiteres Schreiben zur Internationalen Kammermusikwoche in Oberschützen, 11.1.1963

Internationale Kammermusiktage 1965 in Oberschützen : Programmausschnitt, der Stefan Kocsis' Mitwirkung als Orgeldozent dokumentiert

       

Unter einem wissenschaftlichen Aspekt stand die Mitwirkung von Stefan Kocsis bei der im ersten Schreiben als Slawisten-Musikologen-Tagung, im weiteren Verlauf als Balkanologen-Tagung bezeichneten Veranstaltung, die vom 6. bis 9. Mai 1964 in Graz abgehalten wurde. Im Rahmen dieser Tagung war auch ein Besuch unter Kocsis' aktiver Beteiligung in Stinatz geplant, wobei die schönen Trachten vorgeführt bzw. zwei alte Frauen zum Vorsingen gebracht werden sollten. Der Grund dafür war folgender: Univ.Prof.Dr. Walther Wünsch vom Institut für Musikfolklore der Musikakademie Graz, der die Balkanologen-Tagung leitete, hatte nämlich Tonbandaufnahmen von kroatischen Gesängen, die Kocsis im Zuge seiner volksmusikalischen Forschungsarbeiten in Stinatz gemacht hatte, von ihm zur Verfügung gestellt bekommen. Im Schreiben vom 18.10.1963 bestätigte Prof. Wünsch den Erhalt des entsprechenden Tonbands mit den sehr interessanten Liedaufnahmen. Außerdem nannte er erste Details zur geplanten Tagung. Mit dem zweiten Brief (20.1.1964) dankte er für die Bereitstellung dieses Stinatzer Tonbands. Er retournierte es unter Äußerung großen Interesses an weiteren Aufnahmen aus Prof. Kocsis' Archiv. Wie beiden Schreiben zu entnehmen ist, war auch Professor Schmaus in München von diesen Tondokumenten sehr angetan. Mit dem Schreiben vom 7.4.1964 lud Prof. Wünsch den Musikforscher Prof. Kocsis im Auftrag des Präsidenten der Grazer Musikakademie als aktiven Mitgestalter der Balkanologen-Tagung ein und regte die oben geschilderten Details des Besuchs in Stinatz an. Im Brief vom 14.4.1964 dankte Dr. Friedrich Körner, der Assistent von Prof. Wünsch, Prof. Kocsis für die inzwischen eingegangene Zusage der Teilnahme an der Balkanologen-Tagung und die Bereitschaft zur Führung in Stinatz.

Schreiben von Prof. Wünsch aus der Planungsphase zur Slawisten-Musikologen-Tagung in Graz, 18.10.1963

Schreiben von Prof. Wünsch zur Balkonolgen-Tagung und zum geplanten Stinatz-Besuch, 7.4.1964

Schreiben von Prof. Wünsch zur Retournierung des Tonbands mit den Aufnahmen aus Stinatz, 20.1.1964

Antwortbrief von Dr. Friedrich Körner zur Zusage der Teilnahme und Bereitschaft zur Führung in Stinatz, 14.4.1964

       

Gewissermaßen als Epilog zu den vorherigen Ausführungen zur Balkanologen-Tagung kann der Inhalt des Schreibens vom 21.6.1966 aufgefasst werden. Darin bittet Prof. Wünsch um Überspielung der burgenländischen Klagelieder, nicht ohne Prof. Kocsis selbst rumänische Klagelieder als Tonbandaufnahmen zur Verfügung zu stellen.

Die Einladung zu den Klostermarienberger Gesprächen zeigt eine weitere Facette in der außerschulischen Lehrtätigkeit von Prof. Stefan Kocsis. Innerhalb des Vortrags-Zyklus Moderne Kunst hielt der vielseitige Unterpullendorfer Musiker und Pädagoge den 7. und 8. Vortrag. Unter den lapidaren Titeln Musik und Moderne Musik fanden diese am 17. und 31. Jänner 1967 statt.

Schreiben von Prof. Wünsch zur Aufnahme der burgenländischen Klagelieder, 21.6.1966

Einladung zum 7. und 8. Abend des Vortrags-Zyklus Moderne Kunst“ mit Prof. Stefan Kocsis in Klostermarienberg, Jänner 1967

       

Wie bereits in der Einleitung zu diesem umfangreichen Kapitel dargelegt, gäbe es noch eine Reihe weiterer Tätigkeiten, die diesem Bereich zumindest am Rande zugeordnet werden können, da vieles, was Prof. Stefan Kocsis als Musiker, Komponist, Chorleiter, Musikforscher usw. in seiner viele Jahrzehnte dauernden Beschäftigung mit der Tonkunst leistete und schuf, auf einer pädagogischen Basis aufbaute. Dabei muss dies nicht einmal aufs Erste erkennbar sein, vorhanden sind solche Elemente allemal.

 

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