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Stefan Kocsis
Biographie
Porträt,
1978
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Stefan Kocsis ist einer der größten zeitgenössischen Komponisten des
Burgenlandes und einer der bedeutendsten Organisten Österreichs.
Geboren am 12. Dezember 1930 in Unterpullendorf als Sohn des Landwirtes
Stefan Kocsis und dessen Gattin Franziska, geborene Fertsak, wuchs er
mit seiner Schwester Juliane in recht bescheidenen Verhältnissen auf. |
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Er erhielt seine ersten musikalischen Anregungen vom Volksschullehrer
und Organisten des Dorfes, Stefan Pusztai, der seine musikalische Begabung erkannte und eine Ausbildung anriet. Der 10-jährige Knabe
begann Geige und Akkordeon zu spielen und wurde bereits mit 12 Jahren
Organist in seiner Heimatgemeinde. |
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Kocsis studierte am Konservatorium
und an der Musikakademie in Wien Orgel als Hauptfach bei Prof. Anton
Heiller, der ihm auch eine wertvolle Ausbildung in Komposition
vermittelte. Schon in dieser Zeit stellte sich seine starke Neigung zur
Kirchenmusik heraus, die bis heute das Œuvre des Musikers und
Komponisten Kocsis beherrscht.
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Die
Wiener Musikakademie zur Zeit des Studiums von Stefan Kocsis
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1952
erhielt er das Diplom der Künstlerischen Reife mit Auszeichnung aus
Kirchenmusik, 1956 die staatliche Musiklehrerprüfung im Hauptfach
Klavier mit Auszeichnung sowie 1963 die staatliche Musiklehrerprüfung
im Hauptfach Sologesang ebenfalls mit Auszeichnung. Das Gesangstudium führte
Stefan Kocsis in den Wiener Akademie-Kammerchor (Leitung: Prof.
Ferdinand Grossmann), in dem er sich als langjähriges Mitglied eine
reiche Chorpraxis erwarb und zahlreiche Konzert-Tourneen um die ganze
Welt unternahm, unter anderem auch als Interpret in einer Solo-Rolle in
Händels „Acis und Galathea“ in Neapel (1955). So gastierte Kocsis
als Sänger und zeitweise auch als Pianist dieses Chores unter Ferdinand
Grossmann, Günther Theuring und Thomas Christian David in Deutschland,
England, Norwegen, Schweden, Dänemark, Frankreich, dreimal in Italien,
zweimal in Kanada, viermal in Amerika und nicht zuletzt im Rahmen einer
Welttournee in den USA, in Kanada, Honolulu, Japan, Korea, Hongkong,
Taiwan, Singapur, Thailand, Indien, Pakistan, Persien, im Libanon, in Ägypten
und in Griechenland.
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Von
1952 bis 1992 war Stefan Kocsis Lehrer und Direktor an der Musikschule
in Oberpullendorf.
Seine musikpädagogische Tätigkeit ist äußerst vielfältig, unter
anderem unterrichtete er als Musikprofessor am Gymnasium in
Oberpullendorf, war Lehrer für Tonsatz, Chorleitung und
Instrumentenkunde am Joseph Haydn-Konservatorium in Eisenstadt sowie
Dozent für Orgel bei den internationalen Kammermusikwochen in Oberschützen.
Auch in der Lehrerfortbildung, bei Chorleiterkursen bzw. Chorsingtagen
war er tätig. Im außerschulischen Bereich wirkte Kocsis als
Jurymitglied für Orgel und Komposition beim Wettbewerb „Jugend
musiziert“ in Leoben, war Juror beim Landesjugendsingen in Eisenstadt,
Kuratoriumsmitglied beim Volksbildungswerk für das Burgenland, Obmann
der Kulturvereinigung Oberpullendorf, Mitglied und Vorsitzender der Diözesankommission
für Kirchenmusik in Eisenstadt, Mitglied des Goldmarkvereines in
Deutschkreutz, Juror bei der Vergabe des Landeskulturpreises, er war im
Beirat für Musik und ist Mitglied des Österreichischen
Komponistenbundes sowie in der Österreichischen Gesellschaft für
Zeitgenössische Musik. |
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1958
übernahm Kocsis als Chorleiter und Dirigent den Mittelburgenländischen
Lehrerchor, mit dem er alljährlich Konzerte veranstaltete und große
Werke wie etwa Haydns „Schöpfung“, das „Violoncellokonzert in
D-Dur“, „Die Jahreszeiten“, „Die sieben letzten Worte des Erlösers
am Kreuz“, das „Stabat mater“, die „Paukenmesse“, Mozarts
„Requiem“ und dessen „Violinkonzert in A-Dur“ oder Händels
„Messias“ aufführte. In zahlreichen Orchesterkonzerten dirigierte
Kocsis u. a. das Haydnorchester Eisenstadt, das Kammerorchester Graz,
das Symphonieorchester Szombathely sowie das Philharmonische Orchester
Györ.
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Stefan
Kocsis an seiner Hausorgel, 1985 |
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Als
Organist kann Stefan Kocsis auf eine großartige Karriere zurückblicken.
Neben Orgelkonzerten auf historischen Orgeln in Eisenstadt (1967) sowie
beim Bachfest in Oberschützen (1965) gastierte er als gefeierter Solist
in Zagreb im Jahr 1965, wo 4.000 Konzertbesucher in und vor der
Kathedrale seinem Orgelspiel voller Begeisterung zuhörten. Eisenstadt
1968 (im Rahmen der „Jeunesse musicales“ mit dem Wiener Kammerchor),
Köszeg 1975, Sopron 1976, Wien 1977, Kungsbacka in Schweden (1978),
ferner Güssing, Oberwart, Neusiedl und Oberpullendorf sind weitere
Stationen seiner Konzerttätigkeit als Organist im In- und Ausland.
Daneben steht er als Fachmann und Berater bei der Planung und Errichtung
neuer Orgeln in den diversen Pfarren des Burgenlandes gerne mit Rat und
Tat zur Seite. Im Besonderen sei hier der Bezirksvorort Oberpullendorf
erwähnt, wo sich Kocsis nicht nur erhebliche Verdienste um den Bau der
großartigen Orgel im Jahr 1967 gemacht hatte, sondern als Obmann der
Kulturvereinigung auch den Ankauf eines Bösendorfer-Flügels
veranlasste, was letztendlich die Möglichkeit bot, weltberühmte
Pianisten wie Alfred Brendel oder Alexander Jenner nach Oberpullendorf
zu holen.
Nicht
unerwähnt bleiben darf die pianistische Aufgabe, die Stefan Kocsis als
Klavierbegleiter bei vielen Kammermusik-, Violin- und Liederabenden erfüllte.
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Sein
umfangreiches Werkverzeichnis
widerspiegelt die besondere Liebe zur Chormusik und vor allem zur
Orgel. Neben Unterrichtswerken entstanden zahlreiche
Klavierstücke, Lieder, Kammermusik sowie Kompositionen für
Orchester. Besonders dem kroatischen Volkslied widmete Kocsis
größte Aufmerksamkeit, wie seine Liedsammlung aus den Jahren
1955-1967 sowie seine unzähligen Bearbeitungen kroatischer Lieder
und Melodien zeigen. Kocsis selbst bezeichnet seinen
Kompositions-Stil als nach allen Richtungen offen, wobei er der
Zwölftonmusik ebenso zugeneigt ist wie dem Dur-Moll-Prinzip. |
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Diese
kurze und prägnante Formulierung zu den Grundsätzen, die Stefan
Kocsis' Kompositionsstil prägen, ist auf der Rückseite eines an
ihn gerichteten Briefes der ÖMZ (Österreichische
Musikzeitschrift) vom 25. März 1970 zu finden. |
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Da die meisten seiner Kompositionen Auftragswerke
sind, gibt es allerdings gewisse Rahmenbedingungen, an die er sich
strikte hält. Er sieht sehr sachlich die Grenzen und Einsatzmöglichkeiten
der traditionellen Musikinstrumente (inklusive der menschlichen Stimme).
Das
unglaublich breite Spektrum der musikalischen Tätigkeit des Komponisten
und Musikers Stefan Kocsis hat naturgemäß auch zu zahlreichen Platten- und
Rundfunkproduktionen geführt. Orgelaufnahmen, Aufnahmen
von Liedern und Madrigalen sowie Radio-Übertragungen von Messen
(darunter die Uraufführung der „Oberwartermesse“ von Erich
Kleinschuster in einer Eurovisions-Fernsehübertragung aus Oberwart),
Oratorien und diversen Konzerten bestätigen die Popularität des Künstlers.
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Wichtige
Impulse setzte Stefan Kocsis zwischen 1955 und 1967, als er in vielen
kroatischen Gemeinden das traditionelle Liedgut erforschte und der
Nachwelt durch Tonbandaufzeichnungen und Transkriptionen erhalten
konnte. Als Leiter der Lehrertanzgruppe „Krug Miloradić“ gelang
es ihm, die kroatische Volks- und Tanzmusik als festen Bestandteil der
burgenländischen Volkskultur zu etablieren. Außerdem verfasste er mit
„Hrvatska Pjesmarica“ ein kroatisches Liederbuch für die
Schuljugend, das heute als Standardwerk im Unterricht verwendet wird.
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Große
Verdienste erwarb sich Stefan Kocsis bei der vom damaligen Diözesanbischof
DDr. Stefan László initiierten Herausgabe der beiden „Rimski Misal“
genannten Missalia in burgenländisch-kroatischer Sprache (1970 und
1981). Besonders erwähnenswert ist Kocsis’ Abhandlung über die
sakrale Musik der burgenländischen Kroaten aus dem Jahr 1998,
erschienen in einer Publikation unter dem Titel „... und sie singen
noch immer ... još si svenek jaču“, herausgegeben von Dr. Ursula
Hemetek.
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Für
sein musikalisches Talent, seinen Fleiß und Eifer sowie für sein
musikalisches Schaffen und Wirken erhielt Stefan Kocsis viele Preise und
Auszeichnungen, etwa den Abgangspreis für Schülerbestleistungen der
Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien im Studienjahr
1951/52, mehrere Preise für Kompositionswettbewerbe des ORF
(„Deutsches Ordinarium“, 1966; „Das neue Lied“, 1969; „Il
premio UNDA Sevilla“, 1969; „Das neue Gemeindelied“, 1970). Im
Jahr 1979 wurde Stefan Kocsis der Landeskulturpreis verliehen. Weiters
erhielt er das Ehrenzeichen des Landes Burgenland sowie im Jahr 1983 den
Berufstitel „Professor“. Die Diözese Eisenstadt verlieh ihm 1986
das Ehrenzeichen vom hl. Martinus in Gold. Im Jahr 1996 erhielt Stefan
Kocsis außerdem das Ritterkreuz des Ordens des hl. Papstes Silvester.
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Obwohl
das Ausscheiden aus dem Wiener Akademie-Kammerchor eine immense Zäsur
im Leben des jungen Künstlers bedeutete, war es zugleich Ansporn, etwas
Neues zu beginnen. Trotz verlockender Angebote (etwa als künstlerischer
Leiter der Wiener Sängerknaben oder als Domkapellmeister in Graz) hielt
Kocsis dem Burgenland die Treue und konnte wichtige Impulse für die
heimische Musikszene setzen. Jungen Menschen die Ohren für Musik zu öffnen
und ein aktives, informiertes Konzertpublikum heranzubilden, war und ist
eine ganz wesentliche Aufgabe für den Lehrer, Musiker und Komponisten
Stefan Kocsis.
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