Chor Unterpullendorf

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Vor den eigentlichen Ausführungen zum Unterpullendorfer Kirchenchor, oder streng genommen zu den beiden Chören, mit denen Prof. Kocsis arbeitet(e), ist noch eine kurze Auseinandersetzung mit ihm als Organisten an der Kirche seiner Heimatgemeinde notwendig. Schließlich und endlich war genau diese Tätigkeit der Anstoß für viele weitere Stationen in seiner musikalischen Laufbahn und somit auch für seine Arbeit als Chorleiter in der kleinen mittelburgenländischen Ortschaft.

Die 1905 im neugotischen Stil erbaute Pfarrkirche in Unterpullendorf, die links auf einem stimmungsvollen Foto zu sehen ist (Vergrößerung durch Klicken möglich), war für Stefan Kocsis schon seit seiner Jugendzeit etwas ganz Besonderes. Er, der schon früh seine Liebe zur Orgelmusik entdeckte, konnte hier seine ersten Erfahrungen mit und an diesem Instrument sammeln, ehe er bereits als Zwölfjähriger die Kantorendienste übertragen bekam. Dass er mehr als 60 Jahre später und noch dazu als ein führender Orgelvirtuose dieses Amt ausüben würde, war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht absehbar.

Für eine Pfarrgemeinde ist es ein seltener Glücksfall, solch einen hervorragenden Organisten als Kantor zu haben. Sie wusste das auch gebührend zu schätzen und ermöglichte die Anschaffung einer neuen Orgel. Gebaut wurde sie von der Firma Rieger (Vorarlberg). Bei der Erstellung der Disposition dieses ausgezeichneten modernen Instruments war Prof. Kocsis maßgeblich beteiligt. Ein interessantes Detail aus dem Programm zur Orgelweihe stammt von Orgelbaumeister Christoph Glatter-Götz, der in seinen Gedanken zur neuen Orgel der katholischen Kirche in Unterpullendorf folgendes schreibt: „Eine Orgel entsteht im Dialog zwischen Auftraggeber und Orgelbauer. Der Geist dieses Dialogs findet sich im Instrument wieder. Es ist daher kein Zufall, wenn dieses Instrument von besonderer Harmonie geprägt ist.“ Die Weihe des neuen Instruments wurde 1995 von Diözesanbischof Dr. Paul Iby in einem feierlichen Rahmen mit anschließender Festmesse vorgenommen.

 

Titelblatt der Festschrift zur 85-Jahrfeier der Pfarrkirche Unterpullendorf: Zeichnung, 1990

 Ausschnitt aus dem Folder zur 90-Jahrfeier der Pfarrkirche Unterpullendorf: Orgelweihe, 29.10.1995

Ausschnitt aus dem Folder zur 90-Jahrfeier der Pfarrkirche Unterpullendorf: Orgelkonzert, 29.10.1995

aus demselben Folder: großformatige Darstellung der neuen Orgel (100 KB), 1995

 

Um den Gedanken vom seltenen Glücksfall wieder aufzunehmen und fortzusetzen: Wenn dann dieser Orgelvirtuose noch dazu ein ausgebildeter Sänger und exzellenter Chorleiter ist, dem es mit dem Mittelburgenländischen Lehrerchor gelang, schwierigste Werke der klassischen Chorliteratur aufzuführen und der als Dirigent von Oratorien, Messen, Symphonien, Instrumentalkonzerten u. Ä. überwältigende Erfolge feiern konnte, wenn dann dieser orchestererfahrene Dirigent auch noch zu den bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten unseres Landes zählt und er seinem Unterpullendorfer Chor Messkompositionen und andere Werke „auf den Leib schreibt“ und obendrein noch gerne mit diesem Chor probt und Aufführungen gestaltet, dann hat man genau die Ausnahmesituation, die in Unterpullendorf schon seit Jahrzehnten vorliegt und um die man diese Gemeinde nur beneiden kann. Das alles spricht für sich und benötigt keinen weiteren Kommentar.

 

Ausschnitt eines Fotos vom jetzigen Kirchenchor Unterpullendorf;

Anzeige des ganzen Fotos

 

Der Unterpullendorfer Kirchenchor, der auch einen Teil des musikalischen Programms zur oben besprochenen Orgelweihe bestritt, hebt sich qualitativ positiv von vergleichbaren Vokalensembles ab. Dass dies Stefan Kocsis und seiner kontinuierlichen Arbeit mit den Sängerinnen und Sängern zu verdanken ist, steht wohl außer Zweifel. Zwar setzt sich der nunmehrige Chor schon längere Zeit aus Frauen- und Männerstimmen zusammen, doch das war nicht immer so. Mag. Gisela Csenar, Professorin am Gymnasium in Oberpullendorf und selbst Sängerin im Unterpullendorfer Kirchenchor, schrieb dankenswerterweise den folgenden Bericht über die genaue geschichtliche Entwicklung dieses Gesangsensembles und seines nicht nur namentlich unterschiedlichen Vorgängerchores. Der angesprochene Artikel ist zur deutlichen Kennzeichnung mit einer Hintergrundfarbe unterlegt.

       
       

GESANGSVEREIN „BRATINSTVO“

       

Im Jahr 1923 gründete der Kaplan Franz Karall in Unterpullendorf den Gesangsverein „Bratinstvo“ (Bruderschaft). Zu Beginn wurden ausschließlich Kirchenlieder gesungen, erst später auch weltliche Lieder. Als Franz Karall im Dezember 1924 als Pfarrer nach Sigleß versetzt wurde, übten die ca. 30 bis 40 Sänger allein weiter, bis der Oberlehrer Stefan Pusztai im Jahr 1925 die Chorleitung übernahm. Am 22.8.1926 wurde die Fahne des Gesangsvereins feierlich geweiht. Bei dieser Fahnenweihe wirkten weitere 8 Gesangsvereine mit. Im Laufe der Zeit trat der Männergesangsverein „Bratinstvo“ bei verschiedenen Festlichkeiten im ganzen Burgenland auf und erreichte einen guten Ruf. Der Zweite Weltkrieg unterbrach jedoch jede weitere Kulturtätigkeit.

Nach dem Krieg übte die Jugend unter der Leitung von Stefan Kocsis. Im Jahr 1972 verstärkte und erneuerte sich der Männergesangsverein und setzte sich die Aufgabe, durch seinen Gesang die Gottesdienste zu verschönern. Das ziemlich große Repertoire umfasste auch Messen, die der Chorleiter Stefan Kocsis für den Gesangsverein komponiert hat. So hat „Bratinstvo“ auch die von Stefan Kocsis anlässlich der Feierlichkeiten zur 750-Jahr-Feier von Unterpullendorf im Jahr 1975 komponierte „Messe zum Hl. Donatus" gesungen, die vom ORF im Jahr 1976 ausgestrahlt wurde.

       

Zweiseitiges Festprogramm anlässlich der vom 28. Mai bis 1. Juni 1975 stattfindenden 750-Jahrfeier in Unterpullendorf, Großmutschen und Kleinmutschen: Die drei Auftritte, bei denen der Männerchor Unterpullendorf unter der Leitung von Stefan Kocsis sang, wurden farblich wie im Originalscan gelassen. Veranstaltungen, bei denen Kocsis musikalisch nicht mitwirkte, wurden stark aufgehellt. Belichtungsmäßig weniger stark verändert wurde der Programmpunkt Festgottesdienst (Sonntag, 1. Juni), bei dem der MIttelburgenländische Lehrerchor gemeinsam mit Gesangssolisten und dem Kammerensemble des Eisenstädter Konservatoriums die „Nicolaimesse“ unter Anwesenheit von Diözesanbischof DDr. Stefan László in der Pfarrkirche Unterpullendorf aufführte.

       

In den achtziger Jahren entwickelte sich aus dem reinen Männergesangsverein „Bratinstvo“ durch Aufnahme von Frauen der gemischte

KIRCHENCHOR UNTERPULLENDORF

 

Stefan Kocsis beim Dirigieren des Unterpullendorfer Kirchenchors (durch Klicken auf das Foto kann eine großformatige Darstellung in ausgezeichneter Qualität geöffnet werden; Dateigröße ca. 125 KB)

Unter der Leitung von Stefan Kocsis singt der Kirchenchor an hohen kirchlichen Festtagen und bei kirchlichen Feierlichkeiten in der Unterpullendorfer Pfarrkirche. Aber auch bei seinen Reisen ins Ausland gestaltet der Chor hl. Messen. Einer der Höhepunkte war sicherlich das Hochamt am Palmsonntag 1994 im Pantheon in Rom, wo der Chor eine kroatische Messe von Stefan Kocsis gesungen hat. Ebenso hat der Chor, der zur Zeit ca. 35 Mitglieder hat, bei einer vom ORF aus Unterpullendorf übertragenen Sonntagsmesse die von Stefan Kocsis komponierte Messe zur „Hl. Dreifaltigkeit“ gesungen.

Bereits zur Tradition sind die Konzerte am 3. Adventsonntag in der Pfarrkirche von Unterpullendorf geworden, bei denen der Kirchenchor vor allem Kompositionen bzw. Bearbeitungen seines Chorleiters Stefan Kocsis darbringt. Ein Zusammenschnitt dieser Konzerte ist im Jahr 2003 auf 2 CDs herausgegeben worden.

       

Aufmerksamen Lesern wird sicher am Seitenanfang die etwas kryptische Überschrift „Chor Unterpullendorf“ aufgefallen sein. Nach der Lektüre des Kapitels dürfte wohl klar geworden sein, warum das bei der eingeschränkten Zeichenanzahl erforderlich war. Viel wichtiger ist aber, was die Ausführungen selbst erkennen lassen: Wir haben es hier mit einem Musiker zu tun, der trotz aller Erfolge, die er als internationaler Orgelvirtuose, Dirigent, Komponist etc. erreichen konnte, über all die Jahrzehnte hinweg seiner Heimatgemeinde verbunden blieb und im Dienste der Gemeinschaft als Kantor und Chorleiter wirkte und wirkt. Dass er sein Amt nach so vielen Jahren noch immer mit Freude ausübt, spricht für zweierlei: Einerseits für ihn selbst, denn es ist, auch wenn er es vielleicht anders sieht, keinesfalls selbstverständlich, dass ein Künstler von seinem Rang und Namen seit mehr als einem halben Jahrhundert diese auch mit Mühen versehenen Pflichten auf sich nimmt. Andererseits spricht es aber auch für die Menschen, mit denen er im Chor und in der Kirchengemeinde Unterpullendorf zu tun hat. Denn eines ist sicher: Gäben sie ihm nicht das Gefühl, eine sinnvolle und lohnende Aufgabe zu erfüllen, er hätte schon alle Gründe und alle Zeit dieser Welt gehabt, sich langsam und ehrenvoll aus dieser Tätigkeit zurückzuziehen.

Kirchenchor Unterpullendorf unter Kocsis' Leitung im farbenprächtigen Innenraum des Gotteshauses

(113 KB!)

Seitenansicht der Pfarrkirche Unterpullendorf

       
       

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