Wie
erlebten Sie Ihre Studienzeit?
Nach
der Vorbereitung im Konservatorium und an der Kirchenmusikschule für
die Aufnahme in die Musikakademie ließ ich mich zunächst von Kollegen
beeinflussen, mich beim damaligen Domorganisten Prof. Walter für den
Orgelunterricht anzumelden. Da aber kein Platz frei war, kam ich zu
Prof. Anton Heiller, zu dem ich ursprünglich gehen wollte. Er nahm mich
zwar als seinen Schüler auf, nachdem er mich spielen gehört hatte,
aber er ließ in den folgenden Unterrichtsstunden kein gutes Haar an
meinem Spiel. Er war sehr streng und hatte immer etwas auszusetzen,
sodass ich schon nahe am Verzweifeln war. Aber eines Tages hörte er mir
beim Improvisieren zu und da merkte ich, dass er plötzlich sein
Verhalten änderte. Er lobte mein Spiel und ließ mir von diesem Moment
an seine Anerkennung zuteil werden.
Ein
Höhepunkt während meines Studiums war für mich das Singen im
Akademie-Kammerchor, bei dem ich viele interessante und gute Musiker
kennen lernte. So standen neben mir die späteren Solosänger Kurt
Equiluz, Walter Berry, Waldemar Kmentt etc. Besonders die Arbeit mit dem
Dirigenten Ferdinand Grossmann und die vielen Tourneen mit dem Chor in
alle Teile der Welt prägten mich sehr. Einmal musste ich während einer
Italientournee sogar das Tenorsolo in Händels weltlichem Oratorium „Acis
und Galathea“ singen, weil der Tenor erkrankt war. Wir waren insgesamt
dreimal auf Italien-Tournee, fünfmal in den USA, dreimal in Kanada, außerdem
in Deutschland, Frankreich, Schweden, Norwegen, Dänemark, England und
einmal auf einer Welt-Tournee rund um
den Globus. Beeindruckend war für mich die sechstägige Überfahrt nach
Amerika mit der Queen Mary und der majestätische Anblick der Skyline
von New York vom Schiff aus. Wir absolvierten 72 Konzerte mit den
verschiedensten Programmen. Da auch in Amerika die alpenländische
Folklore sehr gefragt war, mussten wir einen Teil unseres Programms der
österreichischen Volksmusik widmen und auf Wunsch des Managers unserer
Konzertveranstaltungen sogar in Lederhosen auftreten.
In
Tokio hatten wir ebenso großen Erfolg mit unseren Konzerten wie in
vielen anderen großen Städten, die wir bereist hatten. Damals bin ich
in Japan mit einer völlig neuen Methode der musikalischen Erziehung
konfrontiert worden, deren Ergebnisse mich sehr beeindruckt haben.
Interessierten Eltern wird vorgeschrieben, ihrem Baby klassische Musik
vorzuspielen, denn man geht davon aus, dass diese Musik schon im
Kleinstkindalter gespeichert wird und bald mühelos von den Kindern
nachgespielt werden kann. So erlebte ich, wie sechsjährige Kinder
Violinkonzerte von Vivaldi und Mozart spielten. Daran kann man ersehen,
dass es sehr wichtig ist, mit der musikalischen Erziehung schon sehr früh
zu beginnen.
Welche
Tätigkeiten übten Sie nach Ihrem Studium aus?
Zunächst
wurde ich Instrumentallehrer an der Musikschule in Oberpullendorf, später
war ich bis zu meiner Pensionierung Direktor dieser Schule. Daneben
bereiste ich immer wieder das Burgenland und Nachbarländer wie Ungarn,
Deutschland und Kroatien, um Orgelkonzerte zu geben. In besonderer
Erinnerung ist mir ein Orgelkonzert in Zagreb geblieben. Auf Einladung
des Erzbischofs von Zagreb und gegen den politischen Widerstand der
herrschenden kommunistischen Machthaber gab ich im Dom von Zagreb ein
Orgelkonzert. Der Erfolg war für mich überwältigend, denn nicht nur
die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, auch der große
Domplatz im Freien war mit Tausenden Zuhörern voll, sodass dieses
Konzert zu einer politischen Manifestation geworden ist. Nie wieder habe
ich eine so große Begeisterung nach meinem Orgelspiel erlebt.
Neben
meinen Konzertreisen ist es mir nach erfolgreicher Überzeugungsarbeit
gelungen, meinen Traum von einer guten Orgel in der Kirche
Oberpullendorf zu verwirklichen, sodass ich nun auch in unserem
Bezirksvorort Orgelkonzerte veranstalten konnte, die immer wieder sehr
gerne angenommen wurden und gut besucht waren.
Da
der damalige Bezirksschulinspektor Zvonarich bestrebt war, mich in
Oberpullendorf zu halten, initiierte er einen Lehrerchor, der auf Anhieb
an die 60 Mitglieder umfasste. Nun konnte ich auch meine musikalischen
Vorstellungen verwirklichen und vieles von meinem Studium und von meinen
Erfahrungen umsetzen, die ich in Wien mit dem Dirigenten Ferdinand
Grossmann gemacht hatte. Ich konnte meinen musikalischen Anspruch mit
dem Mittelburgenländischen Lehrerchor verwirklichen und fantastische
Werke der Chorliteratur zur Aufführung bringen. Mit diesem Chorensemble
habe ich meine künstlerische Heimat gefunden und hatte nun keinen Grund
mehr, von hier wegzugehen, obwohl ich verlockende Angebote erhalten
hatte. Sowohl das Angebot, Leiter der Wiener Sängerknaben zu werden als
auch die Nachfolge des verstorbenen Domkapellmeisters in Graz
anzutreten, habe ich nach reiflicher Überlegung abgelehnt.
Neben
diesen Tätigkeiten habe ich auch Fortbildungskurse für Dirigenten und
Chorleiter gehalten. In den 70er-Jahren wurde ich als Lehrer für
Tonsatz, Chor- und Ensembleleitung an das Joseph Haydn-Konservatorium in
Eisenstadt berufen. 13 Jahre unterrichtete ich auch Musik und
Instrumentalmusik am Gymnasium Oberpullendorf, woran ich gerne zurückdenke,
weil es mir gelungen ist, viele Schüler für die Musik und speziell für
das Singen zu begeistern.
Sie gehören zu den bedeutendsten
Komponisten des Burgenlandes. Lassen sich Ihre Kompositionen einem
bestimmten Stil zuordnen?
Ich
fühle mich nicht einem bestimmten Kompositionsstil verpflichtet, ich
bin für alle Richtungen offen. Während meines Studiums wurde ich in
Komposition von meinem Lehrer, der ein Schüler Schönbergs war, sehr
geprägt und in die sogenannte Wiener Schule eingeführt. 1970 schrieb
ich ein Werk der Zwölftonmusik für ein bestimmtes Ensemble, von dem
ich gewusst habe, dass ich auf den Schwierigkeitsgrad keine Rücksicht
zu nehmen brauchte. Aber da ich meistens Auftragswerke geschrieben habe,
bin ich immer an gewisse Rahmenbedingungen gebunden gewesen. Die Grenzen
des Machbaren enden dort, wo die Überforderung eines Ensembles beginnt.
So musste ich natürlich immer Rücksicht nehmen, ob meine Komposition
auch gut realisiert werden kann. Vieles habe ich im Auftrag des ORF
Studio Burgenland und Kärnten komponiert, wo ich keinerlei Beschränkungen
auferlegt bekam. Ich würde mich bis zu einem gewissen Grad auch auf
Experimente einlassen, aber die Komposition soll trotzdem
instrumentengerecht sein, eine künstlerische Aussage haben und die
Instrumente sollen nicht verfremdet oder missbraucht werden.
Bevorzugen
Sie bestimmte Gattungen bei Ihren Kompositionen?
Die
Gattungen meiner Kompositionen sind in erster Linie vom Chor und der
Chormusik geprägt. Dabei ist es wichtig, ein gutes Gefühl für die
Stimmführung zu haben. Ich habe viele Messen und Liedsätze
geschrieben.
Von
den anfänglichen Instrumentalwerken sind besonders die Klavier- und
Violinkompositionen für meine Kinder zu nennen. Im Auftrag des ORF
entstanden viele Werke, die alle vom Rundfunk aufgenommen wurden,
darunter sind Sonaten, eine Partita, Orchesterwerke, Werke für Bläserensemble,
Intraden und viele andere Stücke. Die letzte größere Komposition war
ein Auftragswerk der Burgenländischen Landesregierung anlässlich des
80-Jahr-Jubiläums im Jahr 2001. Ich hatte die Aufgabe, in der
„Jubiläumssuite 80 Jahre Burgenland“ die kroatische
Volksgruppe musikalisch darzustellen. Ich habe darin sehr bekannte
kroatische Melodien wie „O Jelena, Jelena“ oder „V jutro rano se
ja stanem“ (dieses Volkslied verwendete übrigens auch Joseph Haydn in
seinem berühmten „Kaiserquartett“) für Orchester bearbeitet, wobei
mir der instrumentale Rahmen zugeordnet wurde: 2 Flöten, 2 Oboen, 2
Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken, 1. Violinen, 2. Violinen, Bratschen, Violoncelli und Kontrabässe.
Welche
Bedeutung hat für Sie das Singen?
Das
Singen ist sehr wichtig für die musikalische Entwicklung eines Kindes.
Es sollte selbstverständlich sein, dem Kleinkind viel vorzusingen. Ich
habe das bei allen meinen 6 Kindern gerne getan, wobei ich meiner jüngsten
Tochter Anka am meisten vorgesungen habe, vorwiegend Volkslieder. Oft
ist es so, dass jedes Kind ein Lieblingslied hat, das es nicht oft genug
hören kann, ich bin diesem Wunsch immer gerne nachgekommen. Besonders
wertvoll ist es, dem Kind vor dem Schlafengehen Lieder vorzusingen, denn
diese werden dann besonders gut und lang gespeichert.
Welche
musikalische Entwicklung haben Ihre Kinder genommen?
Mein
ältester Sohn Andreas hat mir als jungem Vater sehr oft und stundenlang
beim Üben der Werke für die verschiedensten Orgelkonzerte zugehört.
Dadurch ist er früh mit schwierigen Musikstücken – vor allem auch
mit Bachs Kompositionen – konfrontiert worden. Durch das oftmalige Zuhören
hat er viel für seine musikalische Entwicklung profitiert, so verfügt
er über ein absolutes Gehör.
Auch
mein zweiter Sohn Stefan ist musikalisch begabt, beide sind schon früh
durch gutes rhythmisches Agieren aufgefallen. Ich habe sie beide selbst
in Klavier unterrichtet. Geige und Violoncello lernten sie zunächst im
Konservatorium in Eisenstadt und nach der Matura an der Musikhochschule
in Wien, wo sie auch Komposition studierten. Andreas ist nach dem
Abschluss seiner Diplomprüfung in Violoncello nun Stimmführer im
Orchester der Wiener Volksoper. Stefan war nach Abschluss seines Diploms
als Geiger in Barcelona und später in Greifswald engagiert. Derzeit ist
er Mitglied des neugegründeten Philharmonischen Orchesters in Kuala
Lumpur (Malaysia). Mein jüngster Sohn Martin hat die Lehrbefähigungsprüfung
für Violine und Klavier (1. Diplom) und Konzertfach aus Violine am
Konservatorium in Eisenstadt abgelegt. Die 2. Diplomprüfung aus Violine
und den akademischen Grad erwarb er an der Universität für Musik in
Wien. Derzeit ist er fixes Mitglied des bekannten Haydnquartetts. Meine
Tochter Jelka hat in Wien die Studienrichtungen Musikpädagogik und
Musiktherapie absolviert und arbeitet nun als Musiktherapeutin. Die jüngste
Tochter Anka hat Publizistik studiert und ist beim ORF in Eisenstadt
beschäftigt.
Abschließende
Improvisation über das Adventlied „O Heiland, reiß die Himmel auf“