Musikalische Grafik

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Musikalische Grafik – Malerei zu Musik

  

Die musikalische Grafik geht auf Oskar Rainer zurück. Oskar Rainer war Kunsterzieher am BRG Stubenbastei in Wien. 1913 gab es Untersuchungen über die Farb-Tongesetzlichkeit. Das Prinzip der musikalischen Grafik ist die Umsetzung eines musikalischen Erlebens in eine bildnerische künstlerische Formgebung. Musik wirkt als Inspiration für schöpferisches Gestalten.

Gemäß dieser Vorgaben beschäftigten sich SchülerInnen des Wahlpflichtgegenstandes Bildnerische Erziehung aus den 7. Klassen unter der Leitung von Mag. Manfred Leirer mit dem 1. Satz der 1. Orgelsonate von Stefan Kocsis.

Die Aufgabenstellung:   

Zu einem zeitgenössischen Musikstück grafische Abwandlungen und Bilder herstellen.

Die Vorgangsweise:  

1. 

Die SchülerInnen wurden mit dem Werk konfrontiert. Während des ersten Hörens des Stückes sollte eine Skizze oder ein „Kritzelbild“ angefertigt werden. Gefordert war vor allem, metrische und rhythmische Strukturen bewusst zu hören und umzusetzen. Aber auch die Tondauern und die dynamischen Abläufe sollten in ein Grafik-Liniengeflecht übertragen werden.  

2.

Nochmaliges Hören (drei- bis viermal). Während dieser Phase bemühten sich die SchülerInnen schon, mit Ölkreiden Bildideen zu entwerfen.  

3.

Ein letztes Mal die Orgelsonate hören und aus ihrem Inneren heraus ein Bild assoziieren. Jede(r) durfte seine eigene Technik wählen.

Mag. Leirer zu diesem Projekt: „Es war ein sehr gelungenes Experiment. Die SchülerInnengruppe hat innerhalb kurzer Zeit (etwa 2-3 BE-Einheiten) gute Ergebnisse erzielt. Die Spontaneität während des Hörens der Musik ist wie ein Funken auf die SchülerInnen übergesprungen. Die Musik war also der Impulsgeber für die Malerei. Aus freiem Willen hätten sich die SchülerInnen sicher nicht mit dieser Musik beschäftigt, da sie im Alltag andere Musik hören. Man hat aber gemerkt, wie sie ein Gespür für den Inhalt dieser Musik bekommen haben. Dadurch sind sehr individuelle Ergebnisse erzielt worden.“  

Nachfolgend sind die künstlerischen Ergebnisse dieser Auseinandersetzung mit Kocsis’ Komposition abgebildet und beschrieben. Manche SchülerInnen verfassten nicht nur – wie ursprünglich angeregt – eine kurze Erklärung zum Entstehungsprozess und zur Aussage ihrer Bilder, sondern wurden auch in sprachlicher Hinsicht kreativ tätig. Da diese Texte unmittelbar durch die Musik inspiriert wurden, werden sie hier ebenfalls vorgestellt.

 

Reiner Ribarics, 7A: „Interference of Silence“

Technik: Ölkreiden und Acryl

 

Reiner Ribarics: „Interference of Silence“

 

„In den Kontrasten des Bildes spiegelt sich die Ruhe, symbolisiert durch den grün-violetten Hintergrund und gestört durch die teilweise hektische und stresserzeugende Musik, wider. Die Sichel inmitten des Bildes soll die Vergängnis darstellen, während der heraufsteigende Feuerball einen Sonnenaufgang, sprich eine Art ‚Wiedergeburt’ oder einen neuen Anfang zeigt. Die Pflanze entstand während des ruhigen Teils des Musikstücks, da mich da das Gefühl der Stille überkam; es war nur das Geräusch des Windes da, der an den Blättern des Gewächses vorbeistreifte, während jemand sanft dem Tod erlag.“

 

Veronika Reitter, 7D: „Genese“

Technik: Ölkreiden auf Papier

 Veronika Reitter: „Genese" (auf hellem Hintergrund)

 

Veronika Reitter: „Genese" (auf dunklem Hintergrund)

 

Titel: GENESE

 

Gemalt zur Orgelsonate Nr.1         von Stefan Kocsis

 

Zur Musik:

1. Teil: „Entstehung“ / Teil 1 des Bildes

Der 1. Teil drückt für mich die Entstehung von Leben aus.

Ganz am Beginn und noch zögernd und unerfahren in der Entstehung.

2. Teil: „Entwicklung“ / Teil 2 des Bildes

Ruhig und bedacht, sich zeitlos bewegend und wachsend.

3. Teil: „Vollendung – Verendung“ / Teil 3 des Bildes

Gewachsen und ausgereift, ... und der Beginn des Endes.

 

                                       von Veronika Reitter

 


Romana Schweiger, 7D: „Ohne Titel“

Technik: Acrylmalerei/Fingermalerei zum Großteil

 

Romana Schweiger: „Ohne Titel“

 

Es ist so voller sexueller Begierde.

Verlangen, Sehnsucht.

Das besitzergreifende Herz.

Betrunkene Gedanken, jedoch mit dem Hauch von Schmerz.

Rebellische Liebe voller Leidenschaft!

 

 

 Romana Schweiger: Skizze

 

Bernadette Wolfslehner, 7A: „Part of Darkness – Teil der Finsternis“

Technik: Mischtechnik und Collage  

Bernadette Wolfslehner, 7A: „Part of Darkness – Teil der Finsternis“

   

Etwas, das deine Fantasie erschafft.

Die Luft roch trocken, nach Staub, Zement und Kalk.

Etwas raschelte, völlig anders als das Geräusch,

das ihn bisher verfolgt hatte; künstlich.

Und da war noch etwas: Unter all den verwirrenden aber bekannten Gerüchen

war süßlich-penetrant der Gestank von verbranntem Fleisch zu merken ...

Dieser ekelerregende Geruch hüllte ihn ein, und an den Rändern seines Gesichtsfeldes

tobten Schatten, die von allen Seiten zugleich auf ihn einzudringen schienen.

 

 

             Bernadette Wolfslehner: Original des Textes „Part of Darkness – Teil der Finsternis“

 

Andreas Koller, 7A: „Der Tod und die Auferstehung“  

Technik: Ölkreiden auf vorgrundiertem Papier

 

  Andreas Koller, 7A: „Der Tod und die Auferstehung“

   

„Der Name meines Bildes (Der Tod und die Auferstehung) kam durch den Einfluss der Musik, welche mich an den Tod erinnert, zustande. Im Bild kommt dies durch ein Objekt, das explodiert, zum Ausdruck. Der Tod wird durch das explodierende Objekt dargestellt und die Explosion stellt die Auferstehung dar. Damit will ich sagen, dass alles nach dem Tod in seinem nie gekannten Glanz aufersteht, was sich auch auf die Orgelsonate Nr. 1 beziehen soll, da diese am Anfang äußerst bedrückend ist, doch zum Schluss zu ihrer Bestform kommt.“

   

Magdalena Pichler, 7D: „Ohne Titel“  

Technik: Mischtechnik: Ölkreide und Acrylfarben

 

Magdalena Pichler, 7D: „Ohne Titel“


 

Ich steige hinab

In das Unbekannte

Nie Dagewesene

 

Habe keinen Plan

Kein Ziel

Keine Vorstellungen

Nur diese unsättigende

Leere in mir.

 

Verwirrt irre ich umher

Verspüre Angst

Und unsicher setze ich

Schritt für Schritt

 

Panik steigt auf

Ich spüre

Wie mich der

Reine Wahnsinn

Verfolgt

 

Seinen Versuchen

Mich zu erschlagen

Entgehe ich knapp

 

Plötzlich

Spüre ich

Meinen Körper

In sich fallend

Bröckelt er nieder.

 

Ich werde

Getragen

Von einer

Unbekannten Kraft

 

Der Wahnsinn.

 

Ich begrüße dich.

   

Barbara Kaym, 7D: „Ohne Titel“

Technik: Ölkreiden

 

Barbara Kaym, 7D: „Ohne Titel“

   

Auch die Freude geht mal zu Ende.

Meist dauert sie auch nicht lang.

Alles endet einmal,

            blutüberströmt ....

                  vielleicht?

Aber wann haben wir es geschafft?

Schmerzen, Qualen, Angst ....

                    MORD?

Tod, doch dann ist es vorbei!

Es ist überstanden!

Und die Freude taucht wieder auf.

                  Erlösung!?

 
     

Schlussbemerkungen

 

Auffallend ist, dass bei den meisten SchülerInnen Tod, Schmerz etc. in ihren Interpretationen vorkommen. Inwieweit hier möglicherweise eine (unbeabsichtigte) gegenseitige Beeinflussung der Grund dieser Übereinstimmung ist, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Erstaunlich ist aber dennoch die Tatsache, dass der Beginn des 1. Themas des hier umgesetzten Musikstückes von einem zweimal auftretenden Tritonus („Diabolus in musica“; ein Intervall, das aus drei Ganztonschritten besteht und sehr dissonant klingt) nachhaltig geprägt ist. Die Töne dieses Intervalls folgen zwar beide Male nicht direkt, sondern jeweils durch einen Ton getrennt, aufeinander, der spannungsgeladene Charakter dieses Themenbeginns ist aber trotzdem darauf zurückzuführen. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die letzten beiden Töne des 1. Themas wieder einen Tritonus ergeben.

Höchst interessant werden aber die Empfindungen und Assoziationen der SchülerInnen vor allem dann, wenn man weiß, dass viele Komponisten, so auch beispielsweise J. S. Bach den Tritonus bevorzugt zur Darstellung von Begriffen wie Tod, Sünde, Klage etc. verwendet haben ...

 

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