Die
Geschichte dieses Chores geht bis ins Jahr 1925 zurück, als sich im
Bezirk Oberpullendorf
mehrere sangesfreudige Lehrer fanden, um bei gegebenen Anlässen als Chor
aufzutreten. Diesem ersten Chor, der 1939 seine Aktivitäten einstellte,
folgte nach dem Zweiten Weltkrieg für die Dauer von acht Jahren ein
zweiter Chor. Nach zweijähriger Pause wurde unter der neuen Führung des
damals 28-jährigen Chorleiters Stefan Kocsis jener dritte Chor ins
Leben gerufen, dem es in den 27 Jahren seines Bestehen gelingen sollte,
so große künstlerische Fortschritte zu machen, dass selbst schwierigste
Werke der klassischen Chorliteratur aufgeführt werden konnten. Möglich
wurde dies aber nur, weil mit Stefan Kocsis ein Mann für die Leitung des
Chores gewonnen werden konnte, der beste Voraussetzungen für die Bewältigung
dieser Aufgabe mitbrachte:
| · |
Abschluss
mehrerer Studienzweige an der Wiener Musikakademie, darunter eine
Gesangsausbildung
|
| · |
Virtuoses Orgel- und
Klavierspiel
|
| · |
Verstehen und
Beherrschen der stimmführungstechnischen und harmonischen Zusammenhänge
aufgrund seiner Tonsatz- und Kompositionsausbildung (Werkverständnis,
Schreiben eigener Chorsätze)
|
| · |
Reiche
Chorerfahrungen als Mitglied im Wiener Akademie-Kammerchor bei
zahlreichen, oft monatelang dauernden Auslandstourneen
|
| · |
Hervorragende pädagogische
Fähigkeiten
|
| · |
Bereitschaft, diese künstlerische
Herausforderung mit viel Engagement, Idealismus und Enthusiasmus zu
betreiben
|
In
chronologischer Reihenfolge hatten folgende Männer für die
Gesamtentwicklung des Lehrerchores große Bedeutung:
| Riedl
Adalbert
|
| Bozi
Stefan
|
| Bauer
Julius
|
| Widder
Stefan
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| Wiedeschitz
Johann
|
| Klaudus
Rudolf
|
| Wurdits
Ernst
|
| Engelitsch
Alois
|
| Wiesinger
Josef
|
| Zvonarich
Stefan
|
|
Kocsis Stefan
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Erster
Lehrerchor (1925-1939)
In
der Mitte der 20er-Jahre traten mehrere Lehrer bei Begräbnissen und
verschiedenen anderen Anlässen als Chor auf. In weiterer Folge wollte
einer dieser Sänger, Adalbert Riedl aus Markt St. Martin, einen
Lehrerchor auf Vereinsbasis gründen, was durch die offizielle Anmeldung
mit Statuten am 4. 10. 1925 auch erfolgte. Gemäß dieser Statuten war der
Vereinszweck „die Pflege des mehrstimmigen deutschen Gesanges sowie der
Musik überhaupt und die Wahrung deutscher Art und Sitte“. Der ausschließlich
aus Männern bestehende „Lehrerchor-Mittelburgenland“ begann am 3. 11.
1925 amtlich zu existieren.
Als
Chorleiter wirkte Stefan Bozi aus Lackenbach. Die Funktion des Obmanns
übernahm
zunächst Julius Bauer aus Neckenmarkt und ab Ende 1936 Stefan Widder aus
Horitschon.
Der
erste Auftritt war am 28. 6. 1926 in Raiding anlässlich des 40.
Todestages von Franz Liszt. Von dort stammt das älteste Foto vom
Lehrerchor. Allerdings sollen auf diesem Bild auch einige Nichtmitglieder
zu sehen sein.
Die
durchschnittliche Mitgliederanzahl lag bei 40 Mann. Geprobt wurde im Hotel
Klemm (das heutige Redemptoristenkloster) in Oberpullendorf oder in
Lackenbach. Die Proben fanden üblicherweise einmal pro Monat (!) statt,
vor Auftritten gab es aber wöchentliche Zusammenkünfte. Das Repertoire
bestand aus Volksliedern, vaterländischen und den Anlässen der
Auftritte entsprechenden Liedern.
Die
politische Situation im Jahr 1938 und die damit verbundenen Entlassungen
und Versetzungen von Lehrern sorgten dafür, dass die Chor-Tätigkeiten
mehr und mehr eingeschränkt und mit Ende des Jahres 1939 eingestellt
wurden.
Zweiter
Lehrerchor (1948-1956)
Drei
Jahre nach Kriegsende begann man den Lehrerchor, dessen Existenz offiziell
nie beendet wurde, zu reaktivieren. Als geistige Väter gelten Johann
Wiedeschitz aus Deutschkreutz und der Bezirksschulinspektor Prof. Rudolf
Klaudus aus Oberpullendorf bzw. Kleinwarasdorf. Ein Vorbereitungskomitee
begann Ende 1948 mit der Arbeit und lud für 22. 2. 1949 alle
Interessierten zur Neukonstituierung des Lehrerchores nach
Oberpullendorf ein. Der neue Chor wurde auf der Basis der Statuten des
vorigen Vereines angemeldet. Die Satzungen wurden aber insofern abgeändert,
dass die Betonung „deutscher Gesang“ und die „Wahrung deutscher Art
und Sitte“ gestrichen wurden. Außerdem sollten zusätzlich noch ein
Frauenchor und ein gemischter Chor geführt werden. Am 25. 3. 1949 wurde
die Bildung des Vereines „Lehrerchor Mittelburgenland“ offiziell bestätigt.
Als
Obmänner agierten BSI Prof. Rudolf Klaudus (Ehrenobmann), Ernst Wurdits
aus Lackenbach (1. Obmann), Johann Leeb aus Raiding (2. Obmann) und Stefan
Zvonarich aus Stoob (3. Obmann). Stefan Bozi wurde zum Ehrenchorleiter
ernannt. Alois Engelitsch aus Deutschkreutz (1. Chorleiter) und Josef
Wiesinger aus Pilgersdorf (2. Chorleiter) übernahmen die musikalische Führung
des Chores.
Die
Arbeit erwies sich aber teilweise als schwierig, da die Chormitglieder
hinsichtlich des Interesses und der Wahrung der Probetermine immer wieder
Anlass zur Kritik gaben. So wurde beispielsweise nach der Vervielfältigung
der Noten im April 1949 bereits im Mai eine unbefriedigende Teilnahme an
den Proben festgestellt. Möglicherweise war das auf das Fehlen eines
exakt formulierten gemeinsamen Zieles zurückzuführen. Nach einem
dringlichen Brief, in dem gebeten wurde, den neu ins Leben gerufenen
Lehrerchor „nicht einfrieren“ zu lassen, war der Besuch der nächsten
Probe mit 12 Damen und 25 Herren deutlich besser als zuvor.
Ein
erster Erfolg stellte sich bei der „Liedertafel mit anschließender
Tanzunterhaltung“ am 11. 6. 1949 im Gasthaus Michael Domschitz in
Oberpullendorf ein, bei deren Vorbereitung und Durchführung der spätere
Bezirksschulinspektor Stefan Zvonarich durch seine besonderen Aktivitäten
und sein außerordentliches Organisationstalent auffiel.
1949
fand noch eine Abänderung der Statuten statt, die mit 13. 6. „nicht
untersagt“ wurde. Weiters erfolgte der Beitritt zur „Gemeinschaft
burgenländischer Chöre im Rahmen des Volksbildungswerkes“. Gegen Ende
des Jahres dürfte der Probeeifer wieder stark nachgelassen haben. Daher
wurden in einem Rundschreiben jüngere Kollegen aufgefordert, dem
Lehrerchor beizutreten („Durch die Mitarbeit im Lehrerchor sollen auch
Standesbewußtsein und Zusammengehörigkeitsgefühl unter uns Lehrern gefördert
werden.“).
1950
sind nur vereinzelte Aktivitäten zu nennen, wie die heimatkundliche
Wanderung bei Landsee mit einer Freiluft-Darbietung des Männerchores und
die Teilnahme am 1. Österreichischen Sängerbundfest in Graz (allerdings
nur durch zwei Vertreter des Lehrerchores).
1951
gab es die zweitägige Teilnahme am Sängerfest in Pinkafeld und einen
Auftritt als gemischter Chor anlässlich einer
„30-Jahre-Burgenland-Feier“ in Oberpullendorf.
Von
den Folgejahren bis 1956 sind den Lehrerchor betreffend nur einige bürokratische
Eintragungen bekannt. Trotz der ehrlichen Bemühungen und des guten
Willens einiger Idealisten war der Chor in dieser Zeit und unter diesen
Umständen nicht lebensfähig, denn die Lehrer hatten einerseits nach dem
Zweiten Weltkrieg mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen,
andererseits fehlte ein musikalisch spitzenbegabter und
handwerklich-technisch perfekt ausgebildeter Chorleiter.
Dritter
Lehrerchor (1958-1985)
Dieser
Chor unterschied sich maßgeblich von seinen beiden Vorläufern, da von
Anfang
an eine echte künstlerische Aufgabenstellung und Weiterentwicklung im Vordergrund
stand. Die ehemals herrschende Mentalität eines Gesangs- bzw. Geselligkeitsvereines
sollte vom zielbewussten Streben nach einem qualifizierten, zu musikalischen
Höchstleistungen befähigten Ensemble, abgelöst werden.
Der
„Mittelburgenländische Lehrerchor“ entstand aus der Zusammenarbeit
des „Managers“ Stefan Zvonarich und des Künstlers Stefan Kocsis. Die
Zielstrebigkeit und Disziplin des einen schufen die Voraussetzungen zur
Entfaltung der künstlerischen Potenz des anderen. Das Rundschreiben vom
12. 2. 1958 kündigte Stefan Kocsis als neuen Chorleiter an. Die Gründung
des neuen, diesmal gemischten Chores erfolgte am 25. 2. 1958 unter
Berufung auf die Statuten des Vorgängerchores vom
25. 3. 1949. Begonnen wurde mit 17 Damen und 19 Herren, zu denen
sich im Frühjahr 1958 noch 5 Damen und 1 Herr gesellten. Der Stand von
etwas über 40 Mitgliedern veränderte sich während der langen Existenz
dieses Chores nur unwesentlich, auch wenn ihm, bedingt durch die
Fluktuation, insgesamt über 200 LehrerInnen angehörten. Geprobt wurde
regelmäßig zwei Stunden pro Woche in der Hauptschule Oberpullendorf.
Die
Ziele aus dem Gründungsprotokoll wurden nicht nur erreicht, sondern weit
übertroffen:
| 1)
|
Pflege des Chorgesanges.
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| 2)
|
Einstudieren von Chorwerken und Gestaltung von Programmen, mit
denen im Rahmen von Volksbildungsabenden im Bezirk aufgetreten werden
soll.
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| 3)
|
Im Lehrerchor wirkt eine beträchtliche Anzahl von Lehrpersonen,
die in ihren Dörfern Leiter eines Gesangsvereines, eines Kirchenchores
bzw. einer Singgruppe sind. Sie sollen im Lehrerchor eine weitere
musikalische Bildung und eine bessere Befähigung zum Chorleiter erhalten.
|
Jedes
Chormitglied musste zunächst eine Aufnahmsprüfung ablegen. War diese geschafft,
wurde von der Chorleitung vollster Einsatz erwartet. Regelmäßiges und
vor allem pünktliches Erscheinen war die Grundlage für eine solide
Probenarbeit. Jeder hatte sich den kulturell-künstlerischen Interessen
unterzuordnen. Der Chor gestaltete nicht nur Programme und
Volksbildungsabende, sondern machte sich durch schwierige Konzerte,
Rundfunk- und Fernsehübertragungen im In- und Ausland einen guten Namen.
Die materiellen und organisatorischen Voraussetzungen schuf der Obmann
Stefan Zvonarich. Ihm gelang es, nicht nur Subventionen, ohne die
kostenaufwendige Aufführungen einer „Schöpfung“ oder
vergleichbarer Werke gar nicht möglich gewesen wären, von den zuständigen
Stellen zu erhalten, sondern auch durch gezielte Maßnahmen und unermüdlichen
persönlichen Einsatz, dem Lehrerchor ein Stammpublikum zu schaffen.
Nach
der Pensionierung des BSI Zvonarich im Jahr 1975 übernahmen nach einer
interimistischen Führung durch Valentin Horvatits der neue
Bezirksschulinspektor Otto Tillhof und Eva Fazekas die Obmann- bzw.
Obfraustelle des Lehrerchores.
Seit
1985 pausiert der Mittelburgenländische Lehrerchor. Bei den Männerstimmen
war es zu einem Engpass gekommen. Immer weniger gute Stimmen sind im
Bezirk Oberpullendorf vorhanden bzw. einsetzbar. Aus diesem Grunde empfahl
der Chorleiter Stefan Kocsis eine künstlerische Pause.
Aus
der Vielzahl an Veranstaltungen und Aufführungen seien exemplarisch
einige Höhepunkte genannt:
| 1961
|
„Missa choralis“ von Franz Liszt in Raiding
|
| 1962
|
Teilnahme des Junglehrerchores am Bundesjugendsingen in Graz
|
| 1963
|
Mitwirkung bei der Eröffnung der internationalen Kammermusiktage
in Oberschützen und anschließende einwöchige Teilnahme eines Teiles des
Chores
|
| 1964 |
„Missa Sancti Nicolai“ von Joseph Haydn in der Pfarrkirche
Oberpullendorf;
Teilnahme
an der Feier „40 Jahre Rundfunk in Österreich“ in Eisenstadt
|
| 1965
|
Aufführung von J. S. Bachs „Messe in A-Dur, BWV 234“ und der
Kantate „Actus tragicus“ im Rahmen des Österreichischen Bachfests in
Oberschützen;
Musikalische
Gestaltung der „Carl Goldmark Gedenkfeier“ in Deutschkreutz
|
| 1966
|
Kirchenkonzert in Oberpullendorf u. a. mit W. A. Mozarts „Krönungsmesse“
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| 1967
|
Stefan Kocsis’ „Deutsches Ordinarium“: ORF-Direktübertragung
aus der Pfarrkirche Oberpullendorf
|
| 1968
|
Kirchenkonzert in Oberpullendorf mit Joseph Haydns „Die sieben
letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“
|
| 1969
|
Kirchenkonzert im Eisenstädter Dom mit Joseph Haydns „Stabat
Mater“
|
| 1970
|
TV-Eurovisionsübertragung der „Oberwarter Messe“ von Erich
Kleinschuster (die Herren des Lehrerchores sangen den Chorpart)
|
| 1971
|
„Te Deum“ von Joseph Haydn in der Oberpullendorfer Pfarrkirche;
„Missa
Choralis“ von Franz Liszt in Raiding
|
| 1972
|
„Liturgie zur Osternacht“ und „Christusmesse“ von Stefan
Kocsis: Direktübertragung des ORF aus der Osterkirche in Oberwart
|
| 1973
|
„Die Schöpfung“ von Joseph Haydn in der Oberpullendorfer
Pfarrkirche
|
| 1974
|
W. A. Mozarts „Requiem“ in der Oberpullendorfer Pfarrkirche
|
| 1975
|
„Die Schöpfung“ von Joseph Haydn in der Oberpullendorfer
Pfarrkirche;
Festaufführung
zur Stadterhebungsfeier von Oberpullendorf: W.
A. Mozarts „Krönungsmesse“
|
| 1976
|
W. A. Mozarts „Requiem“ in der Oberpullendorfer Pfarrkirche
|
| 1977
|
„Die Schöpfung“ von Joseph Haydn im Haydnsaal des Eisenstädter
Schlosses
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| 1978
|
„Der Messias“ von Georg Friedrich Händel in der
Oberpullendorfer Pfarrkirche
|
| 1979
|
Festkonzert in der Pfarrkirche zu Oberpullendorf „20 Jahre
Mittelburgenländischer Lehrerchor“ mit musikalischen Höhepunkten der
vergangenen Jahre
|
| 1980
|
Chorkonzert im Schloss Oberpullendorf;
Chor-Orchesterkonzert
mit Werken von Joseph Haydn in der Pfarrkirche Deutschkreutz: „Te Deum“,
„Konzert für Violoncello in D-Dur“ und „Paukenmesse“
|
| 1981
|
Festkonzert in Bernstein (Landeskulturtag);
Aufführung
der „Christusmesse“ von Stefan Kocsis in der Oberpullendorfer Pfarrkirche
|