Pianist

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Prof. Stefan Kocsis strebte nie eine Virtuosenkarriere als Pianist an, obwohl ihm aufgrund seines technischen Könnens und seiner musikalischen Fähigkeiten auch dieser Weg offen gestanden wäre. Doch die Entscheidung war diesbezüglich schon früh zugunsten der Orgel gefallen. Trotzdem spielte das Klavier in Kocsis' musikalischer Laufbahn eine wichtige Rolle. Ob bei seinen pädagogischen Tätigkeiten als Instrumentallehrer an der Musikschule und als ME-Lehrer am Gymnasium, oder bei korrepetitorischen Aufgaben als Leiter des Mittelburgenländischen Lehrerchores, überall kam ihm sein exzellentes Klavierspiel zugute. Ja selbst bei seinen Kompositionen, in denen er das Klavier einsetzt, wird sein pianistisches Können durch die Art und Weise der satztechnischen Gestaltung spürbar.

Doch auf all diese Einsatzmöglichkeiten soll hier nur einleitend eingegangen werden. Viel mehr interessiert in diesem Zusammenhang, dass Stefan Kocsis oftmals auch als Pianist bei Konzerten mitgewirkt hat, sei es als Solist, als Begleiter von Chören und SolosängerInnen oder von InstrumentalistInnen. Dass er dabei Auftritte in der ganzen Welt absolvierte, überrascht vielleicht aufs Erste, ist aber bei näherer Betrachtung nichts anderes als das Ergebnis konsequenter pianistischer Schulung und ernsthafter Auseinandersetzung mit diesem Instrument sowie der während der Studienzeit geschlossenen Kontakte.

Dies führt uns direkt zu den Wiener Jahren zurück, in denen Stefan Kocsis den Grundstein für die verschiedensten Bereiche seiner musikalischen Zukunft legte. Vielseitige Interessen, Wissensdurst, Aufgeschlossenheit für alles Neue, Lerndrang, Übungseifer, Kreativität, Kommunikationsfreudigkeit und eine außergewöhnliche musikalische Begabung – das sind nur einige der Eigenschaften, die dem jungen burgenländischen Künstler Tore öffneten, die ihm bei einer anderen Persönlichkeitsstruktur vielleicht verschlossen geblieben wären.

 

Stefan Kocsis am eigenen Bösendorfer, 1957

 

Ein Jahr bevor das oben abgebildete Foto entstand, schloss Stefan Kocsis seine pianistische Ausbildung an der Wiener Musikakademie mit Auszeichnung ab. Er beherrschte das Klavierspiel bereits so virtuos, dass ihm bei den Konzerttourneen des Wiener Akademie-Kammerchores eine besondere und anspruchsvolle Aufgabe übertragen wurde: Kocsis, selbst Mitglied dieses Vokalensembles, wirkte nicht nur als Sänger bei verschiedenen Konzertreisen mit, sondern übernahm auch bei einzelnen Programmpunkten die Klavierbegleitung. So auch 1960 bei der Welttournee, von dem der nebenstehende japanische Zeitungsartikel stammt.

 

Kocsis 1960 als Pianist in Japan mit dem Wiener Akademie-Kammerchor (nur Bild)

der komplette Zeitungsartikel, aus dem das linke Bild stammt

Dass Stefan Kocsis speziell für die Musikkultur des Mittelburgenlandes durch seine zahlreichen Initiativen und künstlerischen Aktivitäten echte Pionierarbeit leistete, wurde bereits in mehreren Kapiteln dieser Web-Site angesprochen. Auch als konzertierender Pianist sind einige Veranstaltungen zu nennen, die dieses Bemühen klar dokumentieren. Da sind vor allem die zwei Aufführungen gegen Ende der 50er-Jahre in Deutschkreutz und Oberpullendorf, wo in Gasthäusern (!) klassische Programme mit Liedern, Arien, Klavierwerken etc. dargeboten wurden. Derartige Konzerte in solchen Räumlichkeiten durchzuführen, wäre in der heutigen Zeit kaum mehr vorstellbar. Allein daran ist leicht zu erkennen, wie sehr sich die Ansprüche und Erwartungen seit damals verändert haben und wie viel an geistiger und infrastruktureller Aufbauarbeit in den letzten Jahrzehnten im Burgenland geleistet wurde.

 

Dass beim Deutschkreutzer Konzert am 13. November 1958 ein Teil der dargebotenen Musiktitel dem in seiner Kindheit und frühen Jugendzeit in dieser Gemeinde ansässigen Komponisten Carl Goldmark (1830-1915) gewidmet war, liegt auf der Hand. Interessant ist der Ablauf des Konzerts auch insofern, dass das Programm einen bunten Mix aus Opernarien, klavierbegleiteten Sololiedern, Solo-Klavierstücken und Volksliedern darstellte.

 

Carl Goldmark

Programm des Goldmark-Abends“ vom 13.11.1958 im Gasthaus Weber in Deutschkreutz

Am 23. Oktober 1959 fand in Oberpullendorf im Gasthaus Domschitz ein Arienabend mit der hervorragenden Sopranistin Elisabeth Witzmann statt. Stefan Kocsis hatte die junge Sängerin bereits im Wiener Akademie-Kammerchor kennen gelernt und mit ihr gemeinsam etliche Tourneen dieses Vokalensembles bestritten. Entgegen dem Veranstaltungstitel wurden beim Konzert in Oberpullendorf auch einige Werke für Violine (Interpret: Hw. Pfr. Wilhelm Leitgeb) und Klavier aufgeführt. Für die pianistische Begleitung der Vokal- und Instrumentalstücke sorgte Stefan Kocsis.

Elisabeth Witzmann

Programm des Arien-Abends“ vom 23.10.1959 im Gasthaus Domschitz in Oberpullendorf

 

Im Mai 1976 lud der Gesangsverein Oberwart zu zwei „Strauß-Konzerten“ ein. Das Programm bestand ausschließlich aus Werken des Walzerkönigs und bot einen Querschnitt seiner bekanntesten Kompositionen, darunter auch Highlights aus seinen berühmtesten Operetten. Aufgeführt wurde beide Male das gleiche Programm. Das erste Konzert wurde am 21. Mai in Bad Tatzmannsdorf gegeben, das zweite folgte tags darauf in der Oberwarter Hauptschule. Die Klavierbegleitung lag wieder im wahrsten Sinn des Wortes in den Händen von Stefan Kocsis. Gerade diese beiden Musikveranstaltungen belegen deutlich, dass Prof. Kocsis nicht nur die Zusammenarbeit mit professionellen KünstlerInnen suchte, sondern sein Können auch immer wieder in den Dienst engagierter und musikbegeisterter Amateurchöre bzw. -sängerInnen stellte.

 

Programm des Strauß-Konzerts“ in Bad Tatzmannsdorf (21.5.1976) und Oberwart (22.5.1976)

Am 10. August 1978 gaben Kammersängerin Rita Streich und Stefan Kocsis im Schloss Esterházy in Eisenstadt einen Liederabend. Auf dem Programm standen Werke von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert. Rita Streich (1920-1987) war deutsch-russischer Herkunft und hatte im Lauf ihrer Karriere zahlreiche internationale Engagements wie beispielsweise in Berlin, London, San Francisco, Glyndebourne und Bayreuth. In Österreich debütierte sie 1953 an der Wiener Staatsoper. Später gastierte sie auch in Salzburg. Sie war eine virtuose, stilistisch versierte Koloratur- wie auch Liedsängerin.

Kammersängerin Rita Streich

Seite 1 des Programms zum Liederabend mit Kammersängerin Rita Streich am 10.8.1978 in Eisenstadt

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Reges Publikumsinteresse gab es beim Liederabend, der am 16. September 1979 im Schloss Oberpullendorf stattfand und bei dem die Sopranistin Anne Swedish-Moses ein musikalisch anspruchsvolles Programm mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart bis Edvard Grieg präsentierte. Stefan Kocsis begleitete die Sängerin, die neben Liedern auch noch Arien aus Mozart- und Verdi-Opern vortrug, „am Bösendorfer“ (Zitat aus dem Konzertprogramm).

Einladung zum Liederabend im Schloss Oberpullendorf am 16.9.1979 mit der Sopranistin Anne Swedish-Moses

Programm dieses Konzerts mit Anne Swedish-Moses

 

Ein weiteres, abschließendes Beispiel zeigt wieder eine andere Facette von Stefan Kocsis' Konzerttätigkeiten: Er setzte sich aktiv für die Förderung der Karrieren junger (burgenländischer) InterpretInnen ein, indem er sie seitens der Kulturvereinigung Oberpullendorf einlud, ihr Können der musikinteressierten Öffentlichkeit in einem entsprechenden Rahmen vorzustellen. Im konkreten Fall gab Barbara Buzecki am 5.11.1979 einen Violinabend im Oberpullendorfer Schloss. Bei der jungen Solistin handelt es sich übrigens um die Tochter des Lehrer-Ehepaares Gertrude und Karl Buzecki, die bei Kocsis' Volksliedforschungen im Südburgenland behilflich gewesen waren. Barbara Buzecki, früher eine Klavierschülerin von Prof. Kocsis, überzeugte mit einem abwechslungsreichen Programm, bei dem sie ihr ehemaliger Lehrer am Flügel begleitete.

 

Programm des Violinabends mit Barbara Buzecki, Schloss Oberpullendorf, 5.11.1979

Die Verschiedenartigkeit der Konzerttätigkeiten, die Prof. Stefan Kocsis als Pianist ausübte, zeigt ebenso wie die anderen Bereiche seiner musikalischen Arbeit eine breit gefächerte, vielschichtige Künstlerpersönlichkeit. Ob als reisender, in vielen Ländern dieser Erde auftretender Musiker oder als Wegbereiter eines regen Konzertwesens, ob als Förderer junger Nachwuchstalente oder als Klavierbegleiter international angesehener Interpreten – das gemeinsame Musizieren mit Gleichgesinnten und die Weitergabe an ein interessiertes Publikum waren Stefan Kocsis stets ein zentrales Anliegen.

 

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