Welch
große Bedeutung bereits für den Studenten Stefan Kocsis das Instrument
Orgel hatte, lässt sich aufgrund des
angestrebten
Studienaufenthalts in Frankreich nachvollziehen, auch wenn dieser letztendlich
doch nicht zustande kam. Der erst 19-jährige junge Künstler bemühte sich
gegen Ende des zweiten Studienjahres an der Wiener Musikakademie – Abteilung für Kirchenmusik um ein Stipendium, das ihm
ermöglichen sollte, „seine Studien über den französischen barocken
Orgelbau zu intensivieren“, wie dem nachstehenden Scan der „Bestätigung“
zu entnehmen ist. Es ist auch deutlich erkennbar, dass Stefan Kocsis
sich schon sehr früh mit dem Instrumentenbaulichen und nicht nur mit
dem spieltechnischen Beherrschen der Orgel auseinander setzte. Dieses
Interesse war sicherlich ausschlaggebend, dass er sich in den
Folgejahren zu einem ausgesprochenen Orgelexperten nicht nur des Burgenlandes
entwickelte. Bis heute werden beim Bau neuer Orgeln immer wieder seine
Ratschläge eingeholt und umgesetzt (siehe Kapitel „Orgelberater“).

Stefan Kocsis' Ansuchen
unterstützten zwei auch außerhalb der Musikakademie bedeutende
Persönlichkeiten, die
MusikkennerInnen ein Begriff sind. Die oben abgebildete Befürwortung (=
Vorderseite des Schreibens; kleiner Schönheitsfehler: Koczis
statt Kocsis bei der ersten Namensnennung) wurde von Dr. Ernst Tittel (1910-1969) unterzeichnet. Dieser war
Organist, Komponist und Musiktheoretiker. Als solcher gab er
Standardwerke des Theorieunterrichts heraus: die dreibändige „Harmonielehre“ sowie eine zweibändige Neufassung des „Gradus
ad Parnassum“ von Johann Joseph Fux, die er „Der
neue Gradus“ betit(t)elte. Der Zweite, der den
Studienaufenthalt in Frankreich mit schriftlichen Argumenten zu
begründen versuchte (= unten abgebildete Rückseite des Schreibens),
war kein Geringerer als Anton Heiller (1923-1979), jener
österreichische Komponist, Organist, Dirigent und Lehrer an der Wiener
Musikakademie, der sich anfangs seinem Orgelstudenten Stefan Kocsis
gegenüber eher reserviert verhalten hatte. Wie der Stellungnahme zu
entnehmen ist, hatte Heiller in der Zwischenzeit seine vorgefasste
Meinung revidiert und die enormen musikalischen Fähigkeiten seines
Schülers erkannt und schätzen gelernt: „Stefan
Kocsis ist einer meiner begabtesten Schüler ...“.

Dieses letzte Dokument belegt deutlich das künstlerische
Potential des jungen Musikstudenten Stefan Kocsis, denn sonst wäre ein
so großer Musiker wie Anton Heiller nie zu dieser Meinung und solch
einem Urteil gekommen.
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