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Dass bei
einer näheren Beschäftigung mit dem Dirigenten und Chorleiter Prof. Stefan
Kocsis ein Kapitel vorkommt, das sich mit den Wiener Sängerknaben
auseinandersetzt, erstaunt vielleicht zunächst, war er doch nie bei dieser
österreichischen
„Institution“
tätig. Das ist zwar richtig, doch er hatte ein konkretes, sogar mit
Dienstzeiten und vorgesehener Bezahlung versehenes Angebot des damaligen
künstlerischen Leiters der Wiener Sängerknaben
Prof. Ferdinand Grossmann, einen Kapellmeisterposten bei diesem
wahrscheinlich populärsten Knabenchor der Welt zu übernehmen. Es wäre für
Kocsis sicher eine reizvolle musikalische Aufgabe gewesen, mit diesem
Vokalensemble, das auf eine über 500jährige Geschichte zurückblicken kann,
zu arbeiten.
Von den künstlerischen Möglichkeiten her wäre es für Kocsis ein ideales
Betätigungsfeld gewesen, doch er entschied sich trotzdem gegen dieses
verlockende, in jeder Hinsicht lukrative Angebot. Der Grund liegt im
privaten Bereich: Seine junge Familie war ihm wichtiger als die Tätigkeit im
internationalen Rampenlicht. Außerdem hatte er durch die
„Reaktivierung“
des Mittelburgenländischen Lehrerchores im Jahre 1958 eine ideale Plattform
gefunden, in unmittelbarer Nähe seines Wohnorts dennoch seine
chorleiterischen Ambitionen auf hohem
Niveau auszuüben. |

ein Teil der heutigen Wiener Sängerknaben |
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Aus heutiger Sicht hatte die erwähnte Entscheidung gegen die Arbeit mit dem
Wiener Elitechor für den Bezirk Oberpullendorf weitreichende kulturelle
Folgen, weil dadurch Kocsis an das mittlere Burgenland gebunden wurde und
hier durch seine mannigfachen Tätigkeiten vieles erschloss, was es in einer
solchen Form kaum oder gar noch nicht gegeben hatte.
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Die heutigen Wiener
Sängerknaben:
Mit ähnlichen Chören hätte
Prof. Kocsis die Chance gehabt, zu arbeiten. |
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Doch zurück
zum Angebot von Prof. Ferdinand Grossmann: Wie aus der ersten Seite des an
Prof. Stefan Kocsis gerichteten Briefs vom 14. Mai 1958 hervorgeht, hatte
einer der Kapellmeister der Wiener Sängerknaben einen Posten in den USA
angenommen. Dadurch war eine Stelle im Augartenpalais vakant geworden.
Grossmann hätte sie gerne mit Stefan Kocsis, den er von seiner Arbeit mit
dem Wiener Akademie-Kammerchor kannte und schätzte, nachbesetzt. Die
Bezahlung mit 2.000 ATS brutto pro Monat erscheint aufs erste sehr viel,
wenn man aber bedenkt, dass beispielsweise ein Tischler in Wien damals
ungefähr wöchentlich 1.000 ATS brutto verdienen konnte, so relativiert sich
dieser Betrag wieder deutlich. Zusätzlich zum Gehalt wäre Kocsis im Vertrag
das kostenlose Mittagessen zugesichert worden. Die Arbeit selbst hätte
täglich zwei Stunden Probezeit
„mit den Buben“,
den Dienst in der Staatsoper beim Einsatz des Knabenchores und die
Feiertags- und Sonntagsdienste, bei denen der Chor in der Burgkapelle zu
singen hatte, umfasst. |


beide Seiten des Grossmann-Briefes |
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Eines kann abschließend ruhig
behauptet werden: Nicht jeder, vielleicht sogar die wenigsten hätten sich in
dieser Situation ähnlich wie Kocsis verhalten, und sich für die
familienfreundlichere Zukunftsvariante entschieden. Auch das zeigt wieder
eine weitere, wichtige Facette, die den Menschen Stefan Kocsis ausmacht. |
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