Zagreb

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Ein absoluter Höhepunkt in der Konzerttätigkeit von Stefan Kocsis war das Orgelkonzert in der Zagreber Kathedrale (ehemaliges Jugoslawien) am 8. Juni 1965. Wie aus dem nachfolgenden Konzertprogramm ersichtlich ist, bot der burgenländische Organist seinem Publikum ein interessantes, anspruchsvolles Programm, das im ersten Teil Musik barocker Meister, im zweiten Teil jedoch ausschließlich Musik des 20. Jahrhunderts brachte. Doch ehe dieses Konzert stattfinden konnte, mussten etliche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden.

Originalprogramm des Orgelkonzerts von Stefan Kocsis in der Kathedrale von Zagreb (8. Juni 1965)

 

Wie die Korrespondenz mit dem Österreichischen Generalkonsulat in Zagreb/Agram zeigt (s. Brief), war die Durchführung dieses Orgelkonzerts keine einfache Angelegenheit. Die Einladung kam vom Zagreber Erzbischof Dr. Franz Šeper und das Vorhaben war von kirchlicher Seite gut organisiert und vorbereitet. Doch musste erst auch eine staatliche Genehmigung erwirkt werden, was zur damaligen Zeit ein äußerst schwieriges und bürokratisches Unterfangen war. Prof. Kocsis berichtet, dass es heftigen „politischen Widerstand der herrschenden kommunistischen Machthaber“ gegeben hat. Das Konzert wurde schließlich für Stefan Kocsis zu einem gewaltigen Erfolg, was die vielen tausend Zuhörer in und vor der Kathedrale unter Beweis stellten und wovon die Medien in Kroatien (damals Teilrepublik des ehemaligen Jugoslawien) und in Österreich berichteten.

Brief des Österr. Generalkonsulats in Zagreb (11.5.1965)

Durchschlag des Antwortschreibens an das Generalkonsulat in Zagreb (17.5.1965)

 Antwortschreiben: Abschrift des Inhalts (wegen schlechter Lesbarkeit der Vorlage)

 

Der nachstehende Artikel zu diesem Konzert stammt aus der burgenländischen Wochenzeitung Hrvatske novine. Herausgeber dieses erstmals 1910 erschienen Printmediums ist der Kroatische Presseverein Eisenstadt. Auf der linken Seite ist der Originalbericht abgebildet, auf der rechten Seite eine Übersetzung ins Deutsche. Dabei wurden die bei uns üblichen Schreibweisen der Komponistennamen Jehan Alain (ohne zweites l) und Olivier (statt Oliver) Messiaen verwendet. Dass der 9. statt dem 8. Juni als Termin des Zagreber Orgelkonzerts genannt wird, dürfte auf einem Versehen beruhen.

   

Stefan Kocsis konzertierte in der

Zagreber Kathedrale

Am Mittwoch, den 9. Juni 1965 am Abend hat Stefan Kocsis, Direktor der Musikschule Oberpullendorf, in der Kathedrale von Zagreb ein Orgelkonzert gegeben. Auf dem Programm standen Werke der barocken Meister Johann Gottfried Walther und Johann Sebastian Bach sowie Werke der zeitgenössischen französischen Komponisten Jehan Alain, Jean Langlais und Olivier Messiaen.

Das Konzert war für den jungen burgenländischen Orgelvirtuosen ein so großer Erfolg, wie man ihn in diesem Ausmaß nicht erwartet hätte. Beim Konzert waren der Erzbischof Kardinal Dr. Šeper mit den Bischöfen Dr. Lach und Dr. Kuharić und das gesamte Domkapitel anwesend. Mehr als 5000 Menschen füllten die Kathedrale fast bis auf den letzten Platz, was für ein Orgelkonzert ungewöhnlich ist.

Nach dem Konzert erwartete Kardinal Dr. Šeper den Künstler am Portal der Kathedrale und überreichte ihm ein liturgisches Werk. Der große Platz vor der Kirche war voll von Leuten, die unseren Landsmann mit Begeisterungsstürmen begrüßten.

Herzlich gratulieren wir unserem begabten Musiker und Künstler Stefan Kocsis zu seinem großen Erfolg und danken ihm, dass er uns Kroaten und seine Heimat so würdevoll in Zagreb vertreten hat.

Hrvatske novine (Kroatische Zeitung), Nr. 26, 1965

(Übersetzung: Mag. Gisela Csenar)

 

 

 

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